Was für eine Karriere!

·       Wahrzeichen der Alpinen Ski-WM 2017

·       Symbol für das Engadin als Geburtsstätte des Wintersports

·        Sinnbild für das schillernde und inspirierende Engadin

·       Kreativbeispiel für Event-Management

·       Innovation im Holzgewerbe

 

 

 

und dann …

·       war die Fete vorbei

·       folgte die Demontage und

·       der Sturz aus dem Olymp

·       drohte das Vergessen

 

 

Bye-Bye! Und, Edy ist weg!

 

Wirklich? Für mich ist es die Gelegenheit zum Neuanfang!

Auf dem Abstellplatz bekomme ich eine Denkpause. Klar ist, aufgeben kommt nicht in Frage. Ich besinne mich auf meine Stärken – und mein Entschluss steht fest: Ich steh wieder auf und starte meine 2. Karriere! Die früheren Symbolwerte werde ich behalten und wesentliche neue dazufügen. Krisen werden mich heimsuchen, doch nehme ich das als Herausforderung an. Freunde brauche ich, das ist mir klar.


Prolog

 

Es ist ein trüber Nachmittag,

und die Füsse einer kleinen Schar Menschen scharren verlegen im Staub des trostlosen Abstellplatzes.

 

«Edy liegt auf der Intensivstation», raunt der Capo betrübt, «ich habe nur noch wenig Hoffnung.» Ein unhörbares Stöhnen entweicht meiner Brust. Die Medienvertreter wagen gar nicht in meine Richtung zu schauen. Kein Wunder, die Planen und Decken verhüllen meinen geschundenen Körper fast vollständig. Ich bin vermutlich ein unansehnlicher Haufen, wie ich so ohne Lebenszeichen im Dreck liege. Ich, der vor kurzem so bejubelte, weltbekannte Star, der so viele Freunde hatte! Wo sind sie geblieben? 

 

Wo seid ihr? Meldet euch!

Und ob ich Freunde habe – grands amihs! Erzählt mir von unseren gemeinsamen Erlebnissen, von Begegnungen auf dem Zeremonienplatz, im Dorf, auf den Rennstrecken, ... 
Vom Geist, der uns verbindet – il spiert engiadinais!

 

Du willst mit mir ein Lied unserer Zukunft singen? Z.B. die Die Toten Hosen proklamieren meine Haltung:
"Steh auf, wenn du am Boden bist. Steh auf, auch wenn du unten liegst!"


Episoda 1

 

Eigentlich wäre es ein strahlender Morgen,

und ich habe Mühe das Chaos in meinem Kopf auf die Reihe zu kriegen.

 

«Bun di Edy», der fröhliche Morgengruss lässt eines meiner müden Augen sich spaltbreit öffnen: ein prächtiger Vogel schaut mich mit scharfem Blick an. «Hey Edy, lass dich nicht unterkriegen. Chaos gehört ebenso wie Ordnung zu einem flexiblen Leben. Jeder kann mal im Dreck liegen.
Ja, du hast Freunde; ich zum Beispiel, Aivla, der Adler.
Ich steh für alle, die den Überblick behalten, Rückschläge aushalten, Krisen als Herausforderungen betrachten.

 

«Erinnerst du dich an den 6. Februar 2017? Du bist für die Eröffnung der Ski-WM gerade rechtzeitig fertig geworden! Viele fleissige Hände haben bis zur letzten Minute für dich gearbeitet.
Schon mehrere Tage bin ich über dir gekreist – du hast fantastisch ausgeschaut. So stark und siegessicher, ich konnte mich nicht sattsehen! Und dann erst die Eröffnungsfeier im Kulm-Park – so imposant! Erinnere dich an die Musik in deinem Kopf, das Kletterballett, das Lichterspiel. Erinnere dich auch an die Siegerehrungen – würdige Feiern! Du hast in diesen Momenten eine Unzahl von Freunden hinzugewonnen. Kinderaugen haben geleuchtet, schöne Worte sind geflüstert worden. Oder etwa nicht, liebe Freunde in aller Welt?»

 

Positive Emotionen sind die Wegweiser, und ich komme zurück und werde für viele Menschen zu einer Orientierungsfigur!
Freunde, ich bin nicht nur ein "Koloss aus Holz", ich bin Symbol für "Il Spiert Engiadinais".

Du willst nochmals die Siegerehrung von Wendy als Weltmeisterin in der Kombi sehen und vielleicht den Schweizerpsalm mit dem Chor der Academia Engiadina Samedan singen?


Episoda 2

 

Die Sonne kämpft heute mit der zähen Nebelschlange um die Vorherrschaft,

und das gibt mir gerade einen gewaltigen Schub Auftrieb. Also wenn ich ehrlich bin, ist es gerade mal ein zartes Schübchen einer sanften Pfote.

 

«So cool, du machst Fortschritte!», ein putziges Murmeltier stupst mich wahrhaftig an meinen Holzkopf. «Allegra. Ich bin Muntanella, die Optimistische. Ich handle immer entschlossen, habe klare Ziele und bin äusserst widerstandsfähig.
Welcome in unserem Club, Edy, wir sind sehr viele.»

 

 

Ich muss herzhaft lachen und frage mich, was denn die Ziele sind in diesem Club. «Die Ziele habe ich genannt, die Mittel sind kein Problem, lerne pfeifen, singen und tanzen.» 

 

 

Muntanella lässt sich von meinen Fragezeichen hinter der Skibrille nicht beirren, «klar, ich machs dir vor. Für den Anfang will ich nicht zu viel verlangen.» Der nette Kerl kugelt sich vor Lachen, «Sing und pfeif einfach mit und freu dich an der Melodie: Always Look on the Bright Side of Life

 

Du brauchst den Text und die Noten? Schau mal: hier sind sie

 

Ichh übe den ganzen Tag; ich lache, singe, pfeife, tanze und bescheiden ausgedrückt: Ich bin talentiert!

Zusammen mit euch, liebe Freunde, ist es noch viel schöner.

Dai! Mach mit!

 Wenn wir so weitermachen, können wir bald wie Michael tanzen: Don't Stop 'Til You Get Enough (damit sind nicht nur eure Spenden gemeint)


 Episoda 3

 

Kalt, bedeckt, nass,

 

und ein wildgewordener Chopper dröhnt auf den Berg.

Ein heiserer Bass grölt begeistert Born To Be Wild

 

«Bun di! Wie gefällt dir meine Maschine?

Oh sorry, ich bin Uors, der Widerstandsfähige, auch der Robuste genannt. Aivla hat mich geschickt. Sie meint, du seiest wie ich, nur hättest du das noch gar nicht gemerkt. Ich soll dir deinen Mut und deine Zuversicht herauslocken.»

 

 

Der Bär, Ours, gefällt mir ausserordentlich.

Einen solchen optimistischen, selbstbewussten Kerl habe ich gern als Freund.

 

 

«Muntanella meint, dass du zwar etwas tollpatschig bist, doch hast du fleissig trainiert. Ich bring dir jetzt mit einem neuen tollen Sound etwas Leichtigkeit bei.

Eine Mütze habe ich dir auch mitgebracht, so geht es besser – mach mit Get up. Stand up!»

 

Du brauchst etwas «inspiraziun»? Bob hilft gern


So cool! Das ist genau, was ich brauche!

Optimismus, Mut, Engagament und Beziehungen zu guten Freunden.

Grazcha fich!


Episoda 4

 

Altweibersommer?
Heute sollen die Wolken langsam wieder der Sonne Platz machen, am Vormittag könne es im Bereich der Gipfel aber noch ein paar Schneegestöber geben. Am Morgen herrsche Frost bei -2 Grad,

 

und ich habe schlecht geträumt – ich fühle mich mies.

 

«Du hast offensichtlich einen Rückfall in deine ohnmächtige Phase! Eine richtige Krise», wie ein Gurgeln aus einer Giesskanne erreichen mich diese Worte. «Bun di trotzdem. Ich bin Capricorn, ich bin für das Beziehungsnetzwerk zuständig. Und ich kümmere mich um deine Selbst-Führung. Tönt schwierig, ist aber nur halb so wild – du kannst das schon lange, hast es nur gerade vergessen.»

 

Verwundert hebe ich den Kopf. Was für eine majestätische Erscheinung! Dieses Selbstbewusstsein!
Und so soll ich auch sein?

 

«Ich weiss von deinen Albträumen, von der Angst im Stich gelassen und sogar verbrannt zu werden. Letzte Nacht hat dich die Erinnerung an den 10. Februar aufgeschreckt; Laras Sturz – aus und fertig. Und du bist erwacht und hast dich genau so elend gefühlt – aus und fertig. Doch was hat Lara wenige Wochen später gemacht? Sie hat sich mit strahlendem Lachen gemeldet: Da bin ich wieder! Cool nicht! Es hat den Anschein, als ob auch sie sich neu definiert hat – wie du Edy! Da bin ich wieder!

 

Vor allem erinnere dich, was dann abgegangen ist. Wendy und Michelle! Ich habe mit Vergnügen gesehen, wie du dir die Freudentränen heimlich abgewischt hast. Schämen brauchst du dich dessen nicht, das war ein wunderbarer Tag für uns. Also, get up, stand up! Heute darfst du wieder tanzen und singen. Kennst du Udo? Er war der Favorit meiner Grossmutter; was er gesungen hat, ist genau richtig für dich: Ich bin wieder da! Oder kennst du einen anderen passenden Sound? Hauptsache es macht dich leicht und froh. Wow, das geht ja super. Dein Körper swingt elegant und gelöst – du siehst so selbstbewusst aus.

 

Übrigens, du weisst natürlich, dass Wendy und Michelle, auch Beat, Mauro, Mélanie, Fabienne, Carlo, Sandro, Marc und all die andern hart und zielbewusst für ihre Erfolge kämpfen. Dabei auch enorme Rückschläge einstecken mussten und wieder aufgestanden sind? Vergiss das nie: Du bist wie sie!»

 

Korrekt, ich bin wie sie - sie sind wie ich!

Stehauf-Männchen und -Weibchen ;-)
Das ist "il spiert engiadinais".

 

Übrigens, du willst Beat und Patrick nochmals sehen? 


Episoda 5

 

Grandius! Heute sind ideale Verhältnisse für eine Biketour oder eine Wanderung,

 

und mein Herz will hüpfen vor Freude. Was ich nämlich noch sagen wollte, ich habe die Intensivstation verlassen und liege quasi stationär.

 


Über kurz oder lang werden goldene Herbsttage meine uralten Freunde im Tal zum Leuchten bringen.
Ja, wir sind aus sehr gutem Holz! Wenn ich bald von einem neuen Standort meinen Blick über das Tal schweifen lasse, sehe ich meine Schwestern, die unzähligen widerstandsfähigen Fichten in wundervollen Wäldern. God sagen wir für Wald; God da Blais, God sur il Lej, Sur plaun God. Und unsere weltberühmten Arven erstrahlen im Glanz.

 

Hallo mia sour visavi in God Plazzers! Ja, du. Wie alt du bist, herrlich. Und so stark. Ich bin wie du – die wollten mir ein kurzes Leben andichten. Wie die sich irren! Ich kann noch viele schöne Jahre hier oben erleben. Das hat mir mein «Freund, der Macher» versichert. Überhaupt die Schreiner, die Holzfachleute, was für eine ideenreiche, innovative Berufsgruppe! Die haben mit grosser Freude und vor allem ohne zu zögern die Visionen zu meinem Botschafterdasein umgesetzt. Ich bin stolz, dass ich sie hier vertreten darf – ihr seid super!

 

Übrigens, habt ihr es gebührend gefeiert, was dieser Jürg, dieser Nachhaltigkeitsprofessor, gesagt hat? Ich könnte zur Leuchtturmfigur werden! So cool, genau das habe ich vor! Schelmisch lachen musste ich, als er meinte, dass es wesentlich sei, mich nicht einfach irgendwo aufzustellen, nur damit ich im Tal bleibe. Es müsse «etwas mit mir passieren». Der kann wohl Gedanken lesen – oder er folgt «Il Spiert».
Richtig, ich gehöre zum historischen Erbe und werde inspirierende Leitfigur für Selbstverantwortung!

 

Richtig, ich gehöre zum historischen Erbe und werde inspirierende Leitfigur für Selbstverantwortung!
Ich will immer echt sein und mein Leben in einer aufrichtigen Art leben.
Das werde ich weitergeben - "il spiert engiadinais".

 

Schaut nochmals, wie ich entstanden bin, der grösste und schwerste Skifahrer der Ski WM.
Ganz aus Holz – mit Handarbeit, Schweiss, Herzblut

 

Und von nun an will ich mit Herzblut, aktiv mit euch zusammen den Geist des Wiederaufstehens pflegen.


Episoda 6

 

Sonnentage, Nebeltage, Aufbautage, Renntage, Wintertage,
und ich erinnere mich voller Dankbarkeit. 

 

«Woran denkst du gerade; du strahlst über den ganzen Holzkopf.»

 

Ich kann mich drehen und wenden wie ich will, ich sehe niemanden.

 

«Hier bin ich, auf deiner Schulter.» Wow, eine Ameise!

 

«Allegra, ich bin Furmia und finde es schön, dass es dich gibt. Ich darf dir viele Grüsse ausrichten von all den fleissigen Helfern - von den anderen Voluntaris. Wir lieben dich und erinnern uns gern an all die Treffen mit dir. Was haben wir zusammen gefeiert! Da gibt es Geschichten!»

 

Furmia lacht schallend.

 

«Weisst du, wir Voluntaris sind wie du und du bist wie wir - in erster Linie mal wichtig. Wir wollen auch, dass du am Berg bleibst, deine neue Aufgabe ausfüllst. Wir haben uns auch nicht abschrecken lassen von Herausforderungen und Schwierigkeiten, haben hart gearbeitet für den Erfolg der WM. Auch wir mussten mal negative Gefühle kanalisieren und nicht explodieren. Wir haben viel gelacht und mit Eifer und Energie gearbeitet; auch wir mögen keine halben Sachen.

Viele von uns kennen Rückschläge und Krisen, viele haben früher zum Teil schwere Verletzungen erlitten - und trotzdem sind alle bereit gewesen und haben angepackt.

Wir sind das Gesicht, die Hände und Füsse des Erfolges gewesen. Wie du. Wir sind robuste Freunde.»

 

Ich bin du! Du bist ich. Das hatten wir doch schon mal, super. Das ist gar nicht selbstverständlich, wenn wir aneinander denken und uns der guten Dinge bewusst sind. Dafür will ich einstehen. Schönes, Besonderes und Hervroragendes bewusst wahrnehmen und dieses wertschätzen.

Voluntari Engiadina - we want you!


 Episoda 7

 

Jetzt ist es passiert – ich habe die Melodie wieder gehört,

 

und allen Mut zusammengenommen und unser Lied sofort angestimmt, «Empire»:

 

if you wanna get it then you gotta be stronger
dont let it get away don’t you wait any longer

 

Jawohl, wir warten nicht länger – wir wollen stärker werden!

 

and if you're breaking down stand a little taller
you gotta pick yourself up don’t you get any smaller
the fire is burning in your bones you can always win
light it all up and they gonna hear you sing

 

Richtig, wenn wir zu Boden gehen, stehen wir wieder auf – stärker als zuvor. Wir spüren das innere Feuer. Wir wissen, dass wir nur gewinnen können. Wir bringen es zum Leuchten. «Es», das ist unsere Melodie, unser «Empire» - es wird aufleben!

 

ohhh this is my empire
ohhh let it take you higher higher higher

 

Alle, Aivla, Muntanella, Uors, Capricorn, Furmia, Voluntaris, haben aus voller Kehle mindestens den Refrain gesungen und ausgelassen getanzt.

 

fire up fire up fire up fire up fire up fire up

 

Das Feuer brennt, Freunde! Zusammen werden wir unterwegs sein und die Idee der Robustheit,
der Selbstverantwortung und der Zukunftsorientierung aufblühen lassen.
Wir sind wie Viren; wir sind hoch ansteckend!


Episoda 8

 

Hallo Edy, schaffst du nicht mal die «Baby Boom»? Ist doch bloss eine 6a+! Du gibst auf?

Der kleine Sohn von Capricorn, ün figl da bain, sprüht voller Energie und Übermut.

 

Oh ja, so kenne ich euch, meine tollkühnen Freunde in den steilen Felswänden. Fotografen, Medien und Fans lieben euch über alles.

 

Ja ja Lumpaz, mach dich nur lustig. Du hast recht, für heute lasse ich es sein – ich bin überfordert. Ich komme solange wieder, bis ich das schaffe. Genau so meint das Jimmy: «You can get it if you really want. But you must try».

 

Doch bedenke, auch ein Held kann mal stürzen. So hoch das Interesse und der Ruhm auch sein mag, so plötzlich kann es vorbei sein; flugs fällst du tief. Alsbald stehen nicht mehr die Erfolge im Vordergrund, dann geht es ums Weitermachen, Aufstehen, Kämpfen – um die Arbeit für die Glorie. Anerkennungen fallen einem nicht einfach in den Schoss, das musst du dir erwerben; z. B. wenn du mutig zu dir stehst und deine Meinung sagst, auch wenn du damit möglicherweise keine Lorbeeren gewinnst.

 

Bleib dir treu, kleines Capricorn. Und solltest du fallen, steh wieder auf und packe die Chance auf einen neuen Lebensabschnitt.

Auch du bist Edy, il Spiert!
Sei Vorbild, sei Modell für Selbstvertrauen, Selbst-Management, Konzentration, Mut und Wille.

Model the behavior you want to see.


Episoda 9

 

Edy, was braucht es, was sollen wir tun, damit unsere Kinder am Berg und im Tal weiterhin erfolgreich sein können? Die Zeiten haben sich geändert, die Gegebenheiten sind nicht mehr dieselben!
Wir wollen nicht bloss Tourismus-Galanummern und Fotosujets sein! 

Muntanellas Bruder, der Capo am Berg, ist sichtlich in Sorge. Ich verkneife ein Schmunzeln, sieht mich doch der in Würde grau gewordene Kerl bekümmert aus seinen Knopfaugen an. Der ist aus der gleichen Familie wie der Optimistische, der mich zu «the Bright Side of Life»   tanzen liess? Ich werde ihn wohl kaum erheitern können, wenn ich bloss schwafle, dass sich die Welt ständig verändere. Lieber hören wir Bob zu, der schon vor 50 Jahren davon berichtet hat. Dann gehen wir dem Anliegen auf den Grund.

 

Ich erzähle, wie ein Zeitungsbericht mich aufgerüttelt hat. Wie «man» sich erhoffe, dass mich jemand retten werde! Wo bleibt da mein eigentlicher Sinn? Ich will mich mit meiner eigenen Botschaft aus der Trostlosigkeit ziehen. Der Chef der Marmotta-Familie blüht sofort auf. Es sprudelt aus ihm heraus, wie sie sich als Vorbild für den winterlichen Energiesparmodus verstehen und als Symbol der enormen Selbstheilungskräfte.  Wir kugeln uns vor Lachen, als er von seinem Fitness-Ziel für den Frühling schwärmt: erhöhte Fortpflanzungschancen! Er schwärmt, dass seine liebe Freundin Nicola etwas ganz Tolles gezwitschert habe:

 

Only the ones who are determined and passionate enough to try can explore their limits and win.
«Impossible» is just a word invented by human kind, the definition of it is in your hands.

 

Edy, meine fleissigen Murmeli geben sich enorm Mühe, sind entschlossen und leidenschaftlich. Wir versuchen, die Grenzen zu erkunden und zu verschieben um zu gewinnen. «Unmöglich» gibt es für uns nicht. Wir wollen die Definition davon selber finden. Ich bin ihr Chef, ihr Trainer, Vorbild und Lehrer – was soll ich tun?

 

Nun, mein Freund, Leidenschaft und Hochstimmung sind etwas sehr Positives. Auf der faulen Haut liegen und von alten Errungenschaften zehren, reicht sicher nicht - das siehst du ganz richtig. Eine gute Vorgesetzte, ein einfühlsamer Trainer wird einen engagierten Mitarbeiter, eine eifrige Sportlerin mit aufbauendem Feedback loben und bestärken. Zudem braucht es Mut für neue Wege – und los geht’s, alles beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Einverstanden Edy. Doch was ist, wenn die Fehlersucher, Zauderer und Aber-Wesen überhandnehmen?
Sind deren diffusen Gefühle einfach wegzureden? 

 

Liebe Muntanellas, ihr habt eine anspruchsvolle Aufgabe, ihr müsst verschiedene Probleme lösen und Schwierigkeiten überwinden. Erinnert euch an eure Selbstverantwortung.
Versucht Hinweise zu finden für eure Bedürfnisse. Nehmt euer Geschick in die eigenen Hände.
Die Edy-Crew, il Spiert, kann euch unterstützen.


Episoda 10

 

Gerhard, oder ist es Walter, sucht Brandmanager für St. Moritz und Engadin! Christian interpretiert das in den sozialen Medien mit Schalk als Suche nach Feuerwehrkommandanten. Ob da schon irgendwo der Hintern brennt?

 

«Brand», ob da die Marke gemeint ist? Seit ein paar Jahren haben wir ja eine sogenannte «Dachmarke» - «an umbrella brand». Ariane hat einst gemeint «Wir verkaufen Inhalte!»

 

Wie ist das verwirrend und kompliziert – die haben doch mich!

Sie kommt!

 

Oh, wie liebe ich das vertraute Quietschen der Allegra-Züge. Da warte ich doch gerne auf der Bernina, dem Dach des RhB-Netzes.

 

Die RhB und mich verbindet viel. Wir sind «Verruckti Khöga». Das Motto der Bündner Bahn könnte auch für mich gelten: «Die RhB bewegt Graubünden und fasziniert Kunden aus aller Welt.»

Ja, ich will mit stolzgeschwellter Brust verkünden: Wir sind weltoffen und haben einen hohen Wiedererkennungswert.
Wir sind aufgeschlossen gegenüber anderen Kulturen.
Starre Verhaltensmuster sind uns fremd.
Kundenzufriedenheit ist unser Leitstern.
Wir verbinden Generationen.

 

Genau dafür bin ich als Symbolfigur kreiert worden!
Ich soll sowohl den Bezug zwischen Tal und Ortschaft herstellen, wie auch die globale Ausrichtung der ganzen Region mit all ihren Veranstaltungen erschliessen.
Mit meinem fantastischen Fichtenholz bin ich ganz aus regionalem Rohstoff.
Ich verbinde Geschichte mit Gegenwart und habe eine grosse Zukunft – was wollt ihr mehr?

Wir, die Ein- und Zweitheimischen, Gäste, Voluntari, sportlich und geistig Aktive, prophylaktisch und therapeutisch Tätigen, wir wollen im Geiste des Engadins – Il Spiert Engiadinais – bewegen, berühren, faszinieren. Aktiv und weltoffen.


Episoda 11

 

Chau chera Furmia!
Allegra Edy, schön bist du da!

 

Ganz behutsam bin ich auf dem prächtigen Ameisenhaufen am fröhlich sprudelnden Ova da Muragl gelandet.

Wie haltet ihr das nur aus in diesem Gewusel? Ihr leidet sicher unter Dichte-Stress!
Hat euer fantastisches Reich einen Namen?

 

Ja klar, meint Furmia voller Stolz, es heisst «Chesa Engiadinaisa».

 

Bei uns leben und wirken ganz unterschiedliche Charakteren: Grübler, Gelassene, Unerschütterliche, Sprühende, Denkfaule, Durchhalter, Intuitive, Verstandes-Typen, Hyperaktive, Perfekte, Ausdauernde, Blender, Ängstliche, Schnorrer, Mutig-Macher, Planer, Nachäffer und noch viel mehr.

 

Wir haben nur eine Chance zu überleben: Wenn wir zusammenarbeiten, einander respektieren und uns damit stärken! So können wir gemeinsam etwas erreichen und die Probleme gemeinsam lösen.

 

Rennt ihr Furmias so nicht ständig im Hamsterrad?
Oh nein, Edy. Manchmal ist weniger mehr. Z. B. rennen wir weniger und denken dafür mehr. Oder wir machen weniger Verbesserungen, dafür mehr Neugestaltetes; auch weniger Nervendes, dafür mehr Sinnvolles.

 

Oh je, ist das nicht schwierig, einander zu begegnen?
Nein, wenn wir einander wertschätzen ohne zu bewerten, beschenken ohne etwas zu erwarten, informieren ohne zu belehren, sich an den andern freuen, so wie sie sind und es profitieren alle.

Schau Edy, sei Vorbild, sei Modell, saja il Spiert.

Wenn ich von Dir das Gleiche bekommen kann, dann können wir einander wirklich begegnen und uns gegenseitig bereichern.

 


Episoda 12

 

Was hat der Kerl gesagt, der grimmig an meiner Lagerstätte vorbeigestapft ist? «Que nu m'interessa niauncha per tschinch raps!» Nein, das übersetze ich nicht.
Und ja, ich liege immer noch unter diesen steifen Planen. Und ja, das stinkt mir gewaltig. Und nein, ich gebe nicht auf!

 

Doch hört genau hin, was ich sage – cler e net – ich sterbe nicht, ich schlafe nicht!
Ich denke nach und werde mit neuen Visionen und Ideen aufstehen, tschert!

 

Zum Glück laufen auch angenehme Zeitgenossen bei mir vorbei. Einer hat von einem Blog aus der EP erzählt. Da habe ein gewisser Cla die Frage gestellt «Was wäre, wenn wir das Engadin neu erfänden?» So cool! Ob wir ähnliche Vorstellungen haben? Von lebenswert war die Rede, von Zukunft selber gestalten und von florieren. Super.

 

Mein Hirn raucht und ich weiss kaum, wo mir der Kopf steht.

 

Bun di, Edy, tönt es fröhlich von weit oberhalb. Aivla, per furtüna da Dieu!

Allo Aivla! Du kommst genau zur richtigen Zeit. Sag, wie kann ich nur den Überblick gewinnen?

 

Majestätisch kreist der Adler im blauen Firmament und verkündet dann gelassen «Am weitesten sieht, wer am höchsten fliegt.» Oupps, was meint er? Der kann gut reden.

Erwartungsvoll schaue ich ihm zu und schon fährt er fort «Das ist ein Gedankenspiel. Zum grossen Ziel fliegen erfordert ein Umdenken. Wenn du da bist, siehst du die Welt, bevor du angekommen bist – auch eine Metapher.»

 

Ich kann sehen, wie er lacht, doch ich versteh ihn jetzt gut.

 

Wenn ich weiss, wofür ich einstehe, kann ich den Weg planen und das Ganze anpacken. Dazu braucht es Offenheit und viele Aussprachen. Das meint auch Menduri von der «Engadin Arena» - im Ansatz gut angedacht.
Hmm, wir gehören doch auch dazu? Vielleicht müssten wir noch höher fliegen, so dass wir gemeinsam den Zusammenhang erkennen und den Mangel an Überblick «die Region-Landschaft vor lauter Gärtchen nicht sehen» vermeiden.

Wir wollen wichtige Prozesse in Gang setzen und vorantreiben. Dafür haben wir schon jetzt unzählige Möglich-Macher, sogenannte Katalysatoren im Tal, die uns Such- und Entscheidungshilfen geben.

Lasst uns gemeinsam Konzepte für eine innovative und nachhaltige Zukunft erarbeiten!

 


Episoda 13

Es ist Herbst und alle Anzeichen deuten auf einen harten und langen Winter hin. Morgens bedeckt Reif die Fluren und die einst farbigen Blätter und goldenen Nadeln verwandeln den Boden in einen weichen Teppich.

 

Nur gut, dass ich nicht wie meine Freunde für Extraportionen Nahrung und Heu sorgen muss. Allerdings weiss ich im Gegensatz zu ihnen immer noch nicht, wie und wo ich die kalte Zeit verbringen werde. Kummer ist mir jedoch fern, bin ich doch ein unauslöschlicher Gedanke, eine Vision.

 

Ich habe mich fiktiv an den wunderschönen Lago Bianco versetzt – der richtige Ort für stilles Nachdenken.

 

Die unzähligen Gewässer in unserer Gegend sind ganzjährlich fantastisch. Ständig geht von ihnen etwas Geheimnisvolles aus – für mich sind sie Kraftorte der Veränderung. Und wie gerufen, geschieht das Mysterium: aus dem Glitzern auf dem Wasser schält sich allmählich das Bild einer herrlichen Auster mit einer schimmernden Perle heraus!

  

Es hat wieder geklappt! Die Kraft der Natur schickt mir Ideen und Visionen – die Muschel als Sinnbild für unsere Region schafft Perlen des Erfolgs und des Ruhms. Das gelingt nur, wenn das Element, in dem die Muscheln und Perlen sich entfalten, gepflegt wird. 

Wie Schuppen fällt es mir von den Augen: Wenn wir eine Region sein wollen, in der «Perlen» auftauchen und gedeihen, müssen wir in die «Muschelgärten» investieren! In Menschen vor allem. Das heisst in Bildung, Gastronomie, Kultur, Gewerbe, Talent- und Gesundheitsförderung.
Und in Kreativität, Mut, Zuversicht und Humor.


Episoda 14

 

Donner krachen und Blitze flammen über Salastrains.
Es scheint, als ob sich der Winter mit Trompeten und Posaunen ankündigen wolle. Den sechs Freunden macht das keinen Eindruck. Uors, der zottlige Bär, schüttelt sein mächtiges Haupt und grummelt gelassen: «Es ist wohl Zeit, dass wir uns zurückziehen.» Muntanella, die sich einmal mehr nicht aus der Ruhe bringen lässt, meint schelmisch: «Wir treffen uns ja bald wieder. Kommt, wir machen einen auf Shakespeare.»
Verschwörerisch rücken die sechs Kumpanen zusammen:

 

«Wann treffen wir sechs wieder zusammen?»

 

«Am Nachmittag, am Corviglia-Hang.»

 

«Auf Chaunt Chaun, am Lärchenstamm.»

 

«Ich komme vom Margna her.»

 

«Und ich vom Misaun.»

 

«Ich vom Lej da Prüna.»

 

«Und ich vom Mezzaun.»

 

«Ich vom Belvair.»

 

«Und ich bin schon da.»

 

«Hei, das gibt einen Ringelreihn,

 

Und die Idee muss in die Köpfe hinein.»